februar 18

GAV-Guide: Was ist ein GAV und warum er dich betrifft

0  kommentarer

Ein Gesamtarbeitsvertrag, kurz GAV, ist wie ein gemeinsames Regelbuch für eine ganze Branche in der Schweiz. Er wird zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften ausgehandelt und legt verbindliche Mindeststandards für alle fest. Du kannst ihn dir als ein Fundament vorstellen, das über deinem individuellen Arbeitsvertrag steht und diesen ergänzt.

Was ein GAV für dich bedeutet

Stell dir vor, du arbeitest in der Eventbranche. Ohne einen GAV könnte dein Arbeitgeber deinen Stundenlohn von heute auf morgen kürzen oder dich bitten, eine 12-Stunden-Schicht ohne einen Rappen extra zu arbeiten. Dein persönlicher Arbeitsvertrag bietet zwar einen gewissen Schutz, doch die Verhandlungsmacht ist selten ausgeglichen.

Genau hier greift der GAV. Er funktioniert wie ein Schutzschild für alle Mitarbeitenden einer Branche und sorgt für klare, faire Spielregeln. Er legt unmissverständlich fest:

  • Mindestlöhne: Es gibt eine klare Lohnuntergrenze, die niemand unterschreiten darf.
  • Arbeitszeiten: Die maximale Wochenarbeitszeit und die Regeln für Überstunden sind sauber definiert.
  • Ferienanspruch: Dein Recht auf bezahlte Ferientage ist festgeschrieben und nicht verhandelbar.
  • Kündigungsfristen: Für beide Seiten gelten faire und vor allem einheitliche Fristen.

Ein GAV schafft eine stabile und faire Grundlage für die Zusammenarbeit. Er verhindert Willkür und sorgt dafür, dass alle Betriebe einer Branche unter den gleichen grundlegenden Bedingungen wirtschaften. Das schützt nicht nur dich als Arbeitnehmer, sondern auch faire Arbeitgeber vor Lohndumping durch die Konkurrenz.

Dieser Überblick zeigt, wie umfassend ein GAV die Arbeitswelt strukturiert und für beide Seiten – Arbeitgeber und Mitarbeitende – Klarheit schafft.

Die Kernpunkte eines GAV auf einen Blick

Diese Tabelle fasst zusammen, welche zentralen Bereiche ein Gesamtarbeitsvertrag typischerweise abdeckt.

Regelungsbereich Was das für dich bedeutet Praktisches Beispiel
Löhne & Zuschläge Dein Einkommen hat eine verbindliche Untergrenze, und spezielle Leistungen werden extra vergütet. Ein GAV legt fest, dass deine Arbeit in der Nacht mit einem Zuschlag von 25 % vergütet werden muss.
Arbeits- & Ruhezeiten Deine maximale Arbeitszeit pro Woche und deine Pausen sind klar geregelt. Schluss mit endlosen Schichten. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit wird auf 42 Stunden festgesetzt. Überstunden müssen kompensiert werden.
Ferien & Feiertage Dein Anspruch auf Erholung ist gesichert und hängt nicht vom Wohlwollen deines Chefs ab. Du hast Anspruch auf mindestens 4 Wochen bezahlte Ferien pro Jahr, ab 50 Jahren sogar auf 5 Wochen.
Kündigungsschutz Es gibt klare Fristen, die dich vor einer plötzlichen und unerwarteten Kündigung schützen. Nach der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist im ersten Dienstjahr mindestens einen Monat.

Die Tabelle macht deutlich: Ein GAV ist kein abstraktes Regelwerk, sondern ein ganz konkretes Instrument, das deinen Arbeitsalltag direkt beeinflusst.

Ein praktisches Beispiel aus dem Eventbereich

Stell dir vor, du bist als Techniker für eine grosse Konzerttournee engagiert. Der Job ist anspruchsvoll, die Arbeitszeiten unregelmässig – oft auch nachts und am Wochenende.

Der für die Veranstaltungsbranche geltende GAV stellt sicher, dass du für diese Flexibilität fair entlohnt wirst. Er regelt, dass du für Nachteinsätze einen Lohnzuschlag von 25 % erhältst. Dauert eine Show länger als geplant und du musst Überstunden leisten, schreibt der GAV glasklar vor, wie diese kompensiert werden müssen – entweder durch Freizeit oder ebenfalls mit einem Lohnzuschlag. Ohne diesen Vertrag wäre das reine Verhandlungssache und könnte von Betrieb zu Betrieb völlig unterschiedlich gehandhabt werden.

Ein GAV ist also weit mehr als nur ein trockenes Dokument. Er ist ein aktives Instrument, das Planbarkeit und Sicherheit in deinen Berufsalltag bringt. Gerade in Branchen mit sehr flexiblen Arbeitsmodellen, wie in der Gastronomie, sind diese gemeinsamen Spielregeln Gold wert. Wenn du tiefer in dieses Thema einsteigen willst, schau dir unseren Leitfaden zum L-GAV in der Gastronomie an. So werden Konflikte von vornherein vermieden, und du kannst dich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: deine Arbeit.

Wie du herausfindest, ob ein GAV für dich gilt

Nicht jeder Arbeitsvertrag in der Schweiz untersteht automatisch einem GAV. Ob die gemeinsamen Spielregeln auch für dich gelten, hängt von ein paar klaren Kriterien ab. Es gibt im Grunde zwei Wege, wie ein GAV für dich und deinen Arbeitgeber verbindlich wird.

Der erste und gleichzeitig weitreichendste Weg ist der allgemeinverbindlich erklärte GAV. Wenn der Bundesrat oder ein Kanton einen GAV für allgemeinverbindlich erklärt, gilt er plötzlich für alle Betriebe und Mitarbeitenden einer bestimmten Branche in einem festgelegten Gebiet. Ab diesem Moment spielt es keine Rolle mehr, ob dein Chef Mitglied in einem Arbeitgeberverband ist oder nicht – die Regeln sind Gesetz.

Ein sehr bekanntes Beispiel dafür ist der Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-GAV). Jeder einzelne Restaurationsbetrieb in der Schweiz muss sich an dessen Vorgaben zu Mindestlöhnen, Arbeitszeiten und Ferien halten. Da gibt es kein Wenn und Aber.

Der Unterschied zum «normalen» GAV

Im Gegensatz dazu steht der normale, nicht allgemeinverbindlich erklärte GAV. Dieser ist nur für jene Unternehmen bindend, die auch tatsächlich Mitglied im unterzeichnenden Arbeitgeberverband sind. Alle anderen Firmen derselben Branche können sich theoretisch an andere Regeln halten, solange sie dem Vertrag nicht freiwillig beitreten.

Stell dir vor, du arbeitest für ein kleines, privates Sicherheitsunternehmen. Es gibt zwar einen GAV für die Security-Branche, aber dein Arbeitgeber ist kein Mitglied im zuständigen Verband. In diesem Fall gelten für dich die individuellen Regeln deines Arbeitsvertrags, solange der Branchen-GAV nicht allgemeinverbindlich ist.

Dieser simple Entscheidungsbaum hilft dir, schnell zu klären, ob dein Vertrag von einem GAV beeinflusst wird.

Entscheidungsbaum zur GAV-Anwendbarkeit auf Arbeitsverträge, mit Pfaden für faire Regeln oder individuelle Vereinbarungen.

Die Grafik zeigt es schön: Der erste Schritt ist immer die Prüfung, ob für deine Branche überhaupt ein GAV existiert und ob dieser für deinen Betrieb zur Anwendung kommt.

Ein GAV schliesst in der Regel die grosse Mehrheit der Belegschaft mit ein. Das heisst, die Regeln gelten normalerweise auch für:

  • Lernende
  • Teilzeitkräfte
  • Temporär Angestellte

Eine wichtige Ausnahme gibt es oft für höhere Kaderpositionen. Mitarbeitende mit umfassenden Entscheidungsbefugnissen und grosser Verantwortung können von den GAV-Bestimmungen ausgenommen sein. Der Grund? Für sie werden meist individuelle Verträge ausgehandelt, die oft sogar noch vorteilhafter sind.

Gerade in Branchen wie der Gig-Economy, wo flexible Arbeitsmodelle dominieren, sichern GAVs wichtige Mindeststandards und verhindern ein Unterbieten der Löhne. Wenn du tiefer in die Materie eintauchen möchtest, wie Arbeitsvertrag und GAV zusammenspielen, findest du in unserem Leitfaden zum Arbeitsvertrag und L-GAV alles, was du wissen musst.

Deine Rechte und Pflichten als Arbeitnehmer verstehen

Eine Waage, die Geld, Kalender, Mond, Checkliste, Uhren und eine Taube ausbalanciert.

Ein GAV ist keine Einbahnstrasse. Er sichert dir nicht nur wichtige Rechte zu, sondern legt auch klare Pflichten fest. Stell es dir wie eine Waage vor: Auf der einen Seite liegen deine Ansprüche, auf der anderen deine Verpflichtungen. Nur wenn beide Seiten im Gleichgewicht sind, funktioniert das System fair und stabil.

Deine Rechte als Arbeitnehmer im GAV

Für dich als Arbeitnehmer ist die Seite der Waage mit den Rechten natürlich besonders interessant. Diese Garantien schaffen eine verlässliche und sichere Arbeitsgrundlage – egal, für welches Unternehmen du in deiner Branche tätig bist. Sie sorgen dafür, dass du fair behandelt und entlohnt wirst.

Zu den wichtigsten Rechten, die in fast jedem GAV verankert sind, gehören:

  • Garantierte Mindestlöhne: Dein Lohn darf eine definierte Untergrenze nicht unterschreiten. Das ist der beste Schutz vor Lohndumping.
  • Zuschläge für Sonderleistungen: Für Arbeit in der Nacht, an Sonntagen oder Feiertagen gibt es eine zusätzliche Vergütung obendrauf.
  • Geregelte Arbeits- und Ruhezeiten: Die maximale Wochenarbeitszeit sowie die Mindestdauer von Pausen und Ruhephasen sind klar definiert.
  • Anspruch auf bezahlte Ferien: Wie viele Ferientage dir zustehen, ist fix geregelt und nicht verhandelbar.

Stellen wir uns das mal konkret vor: Du arbeitest als Pflegefachperson in einem Spital, das einem GAV untersteht. Du springst kurzfristig für eine zusätzliche Schicht ein und kommst diese Woche auf 48 Arbeitsstunden, obwohl der GAV 42 Stunden vorsieht.

Hier regelt der GAV glasklar, was passiert: Diese sechs Überstunden müssen entweder mit einem Lohnzuschlag von 25 % ausbezahlt oder später mit Freizeit kompensiert werden. Ohne GAV wäre das reine Verhandlungssache.

Deine Pflichten als Arbeitnehmer

Auf der anderen Seite der Waage stehen deine Pflichten. Sie sind genauso wichtig, denn sie sichern einen professionellen und reibungslosen Betriebsablauf. Sie bilden die Basis für eine gute Zusammenarbeit im Team und mit dem Arbeitgeber.

Die vielleicht wichtigste Pflicht ist die Friedenspflicht. Sie bedeutet: Solange der GAV gilt, verzichten du und die Gewerkschaften auf Arbeitskämpfe wie Streiks. Im Gegenzug hält sich natürlich auch der Arbeitgeber an alle Abmachungen.

Daneben gibt es weitere grundlegende Verpflichtungen, die du als Arbeitnehmer einhalten musst:

  • Treuepflicht: Du bist verpflichtet, die Interessen deines Arbeitgebers zu wahren. Das heisst, keine Geschäftsgeheimnisse auszuplaudern oder nebenbei für die direkte Konkurrenz zu arbeiten.
  • Sorgfaltspflicht: Du musst deine Arbeit gewissenhaft ausführen und mit Arbeitsgeräten und Materialien sorgfältig umgehen.
  • Einhaltung der Betriebsordnung: Du bist angehalten, die internen Regeln des Unternehmens zu befolgen, also Weisungen von Vorgesetzten oder Sicherheitsvorschriften zu beachten.

Ein GAV schafft also ein ausgewogenes System. Er schützt dich vor Willkür und sichert dir faire Bedingungen, erwartet im Gegenzug aber auch loyales und professionelles Verhalten von dir. So entsteht ein stabiles Umfeld, von dem am Ende alle profitieren.

Was du als Arbeitgeber bei der GAV-Einhaltung im Auge behalten musst

Für dich als Arbeitgeber ist die Einhaltung eines GAV weit mehr als nur eine administrative Pflicht – sie ist eine unternehmerische Notwendigkeit. Wer die Regeln sauber umsetzt, schützt sein Unternehmen vor rechtlichen Konsequenzen und baut sich einen Ruf als fairer und verlässlicher Arbeitgeber auf. Verstösse hingegen können schnell teuer werden und das Image nachhaltig beschädigen.

Die grösste Verantwortung liegt in einer lückenlosen und korrekten Dokumentation. Jede einzelne Arbeitsstunde, jede Pause und jede Überstunde muss penibel genau erfasst werden. Das ist die absolute Grundlage für eine GAV-konforme Lohnabrechnung, bei der sämtliche Zuschläge – sei es für Nacht-, Sonntags- oder Feiertagsarbeit – korrekt berechnet und ausbezahlt werden.

Die verborgene Komplexität der Schichtplanung

Gerade in Branchen mit unregelmässigen Arbeitszeiten wird die Einsatzplanung schnell zur Zerreissprobe. Stell dir ein typisches Szenario aus der Logistik vor: Du musst kurzfristig eine Nachtschicht für dein Lagerteam auf die Beine stellen, um eine dringende Lieferung zu stemmen.

Plötzlich musst du ein ganzes Bündel an GAV-Vorgaben gleichzeitig jonglieren:

  • Mindestruhezeit: Hat jeder Mitarbeitende die vorgeschriebene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zwischen dem Ende der letzten und dem Beginn der neuen Schicht?
  • Nachtarbeitszuschlag: Ist der korrekte Lohnzuschlag im System hinterlegt? Wird er bei der Abrechnung auch wirklich automatisch berücksichtigt?
  • Wöchentliche Höchstarbeitszeit: Läuft niemand Gefahr, durch diesen zusätzlichen Einsatz die maximal erlaubte Arbeitszeit pro Woche zu überschreiten?

Das alles manuell zu überblicken, ist extrem fehleranfällig. Ein kleiner Fehler kann hier eine Kettenreaktion auslösen – von frustrierten Mitarbeitenden bis hin zu offiziellen Beanstandungen bei der nächsten Kontrolle.

Eine fehlerhafte GAV-Umsetzung führt nicht nur zu Bussen. Sie untergräbt das Vertrauen deines Teams und macht es schwerer, qualifizierte und flexible Arbeitskräfte zu finden und zu halten – ein echtes Problem in einem angespannten Arbeitsmarkt.

Der Schweizer Arbeitsmarkt zeigte 2025 gemischte Signale: Während die Erwerbstätigenzahl zwar anstieg, kletterte die Erwerbslosenquote nach ILO-Definition gleichzeitig auf 5,0 Prozent. Das erschwert die Planung gerade für Branchen wie Logistik oder Gastronomie, die stark auf saisonale Kräfte angewiesen sind. Ein Rückgang der Stelleninserate um über 33 Prozent bei gleichzeitig mehr Stellensuchenden erhöht den Druck, effizient und GAV-konform zu agieren, um gute Leute langfristig zu binden. Mehr dazu erfährst du im Beitrag über die Entwicklungen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt auf srf.ch. Moderne Werkzeuge können hier den administrativen Aufwand massiv reduzieren und die Compliance sicherstellen.

GAV-konforme Prozesse? Eine smarte Software ist dein digitaler Aufpasser

Laptop zeigt Schichtplan-Kalender mit roten und grünen Feldern, umgeben von Icons für Zeit, Automatisierung, Benachrichtigungen und Geld.

Ganz ehrlich: Wer GAV-Vorschriften manuell mit Excel-Listen und Notizzetteln managt, riskiert Kopfschmerzen. Diese Methode ist nicht nur mühsam, sondern eine tickende Zeitbombe für Fehler. Ein kleiner Patzer in der Schichtplanung, eine falsche Berechnung bei den Zuschlägen – und schon drohen Verstösse, die dich am Ende richtig viel Geld und Nerven kosten.

Moderne Software nimmt dir diese Last ab und sorgt für saubere, absolut nachvollziehbare Prozesse.

Stell dir vor, du planst das Personal für ein grosses Festival. Der GAV für die Eventbranche schreibt eine maximale Wochenarbeitszeit von 45 Stunden und eine Mindestruhezeit von 11 Stunden zwischen den Einsätzen vor. Eine gute Workforce-Management-Plattform funktioniert hier wie ein digitaler Aufpasser, der dir über die Schulter schaut.

Versuchst du, einen Mitarbeiter für eine Schicht einzuplanen, die seine Ruhezeit verletzt, schlägt das System sofort Alarm. So vermeidest du unbeabsichtigte Fehler, noch bevor sie überhaupt passieren können.

Automatische Zeiterfassung und Lohnabrechnung – endlich ohne Stress

Eine der grössten Herausforderungen im Alltag ist die lückenlose und korrekte Erfassung der Arbeitsstunden. Genau hier setzen digitale Helfer an. Sie automatisieren den gesamten Prozess von der Stempeluhr bis zur Lohnabrechnung und machen alles transparent.

  • Digitale Stempeluhr: Deine Mitarbeitenden stempeln sich einfach per App auf dem Smartphone ein und aus. Jede Minute wird so exakt und fair erfasst – keine Diskussionen mehr.
  • Automatische Zuschläge: Die Software erkennt von selbst, ob eine Schicht nachts oder an einem Sonntag stattfindet, und berechnet die im GAV festgelegten Zuschläge. Das manuelle Rechnen hat ein Ende.
  • Nahtloser Datenexport: Alle erfassten Daten werden sauber aufbereitet und können mit einem Klick direkt an die Lohnbuchhaltung übergeben werden. Der administrative Aufwand schrumpft auf ein Minimum.

Das ist heute wichtiger denn je. Eine Analyse des Schweizer Arbeitsmarktes 2025 bei jobcloud.ch hat gezeigt, dass die Jobsuchaktivität um 10 Prozent zugenommen hat, während die Zahl der Inserate sank. Für Event-Agenturen und Personalvermittler bedeutet das: mehr Druck, effizienter zu arbeiten und alle Standards penibel einzuhalten. Digitale Tools sind da kein Luxus, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil.

Der folgende Screenshot zeigt, wie kinderleicht ein solcher Export für die Lohnbuchhaltung in der Praxis aussieht.

Hier siehst du eine glasklare Aufschlüsselung der Arbeitsstunden, Pausen und aller anfallenden Zuschläge pro Mitarbeiter. Solche automatisierten Berichte sind die Grundlage für eine GAV-konforme Abrechnung und sparen dir bei jeder Lohnperiode extrem wertvolle Zeit.

Wenn du tiefer in die Digitalisierung deiner Prozesse eintauchen willst, findest du in unserem Artikel zur Arbeitszeiterfassung gemäss L-GAV noch mehr praktische Infos.

Was passiert, wenn du dich nicht an den GAV hältst?

Wer die Regeln eines GAV ignoriert, sollte nicht glauben, dass das unbemerkt bleibt. Die Folgen sind oft gravierend und gehen weit über einen blossen Mahnbescheid hinaus. Als Arbeitnehmer ist es wichtig, dass du weisst: Deine Rechte sind nicht nur auf dem Papier verankert, sondern werden auch aktiv durchgesetzt.

Die Kontrolle übernehmen in der Regel die sogenannten paritätischen Kommissionen. Diese Gremien sind fair besetzt – mit genau gleich vielen Vertretern von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften. Sie sorgen dafür, dass die Spielregeln von beiden Seiten eingehalten werden. Stellt eine solche Kommission einen Verstoss fest, hat sie einen ganzen Katalog an Sanktionen zur Verfügung.

Von Nachzahlungen bis zur schwarzen Liste

Die Konsequenzen sind gestaffelt und richten sich ganz nach der Schwere des Verstosses. Die häufigsten Massnahmen sind:

  • Lohnnachzahlungen: Stellt die Kommission fest, dass Löhne unter dem GAV-Mindestsatz bezahlt wurden, ist die Sache klar: Der Arbeitgeber muss die Differenz rückwirkend an alle betroffenen Mitarbeitenden auszahlen. Ohne Wenn und Aber.
  • Konventionalstrafen: Das sind im Vertrag festgelegte Bussen, die das Unternehmen bei einem Verstoss zahlen muss. Dieses Geld verschwindet aber nicht einfach, sondern fliesst oft in einen gemeinsamen Fonds, aus dem Weiterbildungen oder andere soziale Projekte für die gesamte Branche finanziert werden.
  • Eintrag auf einer öffentlichen Liste: Besonders schwere oder wiederholte Verstösse haben eine besonders schmerzhafte Konsequenz. Das Unternehmen landet auf einer öffentlichen «schwarzen Liste». Das ramponiert nicht nur den Ruf, sondern kann den Betrieb auch von zukünftigen öffentlichen Aufträgen ausschliessen.

Umfassende Einblicke in Arbeitsrechtsverletzungen und Überforderung, wie unterbezahlte Leistung, machen deutlich, warum die Einhaltung eines GAV so elementar ist und wie ernst die Folgen bei Verstössen sein können.

Ein GAV-Verstoss ist kein Kavaliersdelikt. Er untergräbt das Vertrauen, schafft unfaire Wettbewerbsbedingungen und schadet am Ende allen – den Mitarbeitenden, den fairen Arbeitgebern und dem Ansehen der ganzen Branche.

Stell dir einen Fall aus dem Baugewerbe vor: Eine paritätische Kommission deckt bei einer Kontrolle auf, dass ein Unternehmen systematisch zu tiefe Löhne zahlt und die vorgeschriebenen Pausenzeiten missachtet.

Für den Betrieb war das Resultat verheerend: Er musste nicht nur Lohnnachzahlungen in sechsstelliger Höhe leisten, sondern auch eine empfindliche Konventionalstrafe berappen. Der grösste Schaden war jedoch der öffentliche Eintrag, der zu einem massiven Einbruch bei den Aufträgen führte. Dieses Beispiel zeigt glasklar: Die genaue Einhaltung der GAV-Regeln ist keine Option, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

Die häufigsten Fragen zum GAV – kurz und bündig

Im Dschungel der Vorschriften tauchen immer wieder die gleichen Fragen auf. Hier habe ich die wichtigsten Antworten zum Gesamtarbeitsvertrag für dich auf den Punkt gebracht, damit du schnell Klarheit hast.

Was ist der Unterschied zwischen GAV und Arbeitsvertrag?

Stell dir den GAV als das grosse Regelwerk für deine gesamte Branche vor – so etwas wie die Strassenverkehrsordnung für alle. Er legt die verbindlichen Mindeststandards fest, wie den Mindestlohn, die maximale Arbeitszeit oder die Anzahl Ferientage.

Dein persönlicher Arbeitsvertrag ist dann dein individuelles Fahrzeug: Er regelt die Details für deinen spezifischen Job, also deine genaue Funktion und dein Gehalt. Wichtig ist: Dein Vertrag darf die GAV-Regeln niemals unterbieten, nur verbessern.

Sind GAVs in der Schweiz immer verbindlich?

Nicht automatisch. Ein GAV wird erst dann für alle Betriebe einer Branche zur Pflicht, wenn ihn der Bundesrat oder ein Kanton als allgemeinverbindlich erklärt. Ohne diesen Stempel gilt er nur für Unternehmen, die Mitglied im Arbeitgeberverband sind, der den Vertrag unterschrieben hat.

Was passiert, wenn mein Vertrag bessere Konditionen als der GAV bietet?

Ein klarer Fall für das Günstigkeitsprinzip. Das heisst: Die für dich vorteilhaftere Regelung gewinnt immer. Wenn dein Vertrag dir also grosszügige fünf Wochen Ferien zusichert, der GAV aber nur vier vorsieht, dann behältst du selbstverständlich deine fünf Wochen. Der GAV ist ein Minimum, kein Maximum.

Gelten die GAV-Regeln auch für Teilzeit- und Temporärarbeit?

Ja, absolut. In den allermeisten Fällen gelten die Schutzbestimmungen eines GAV auch für Mitarbeitende in Teilzeit oder mit temporären Verträgen. Die Regeln, wie Lohnansprüche oder Ferien, werden dann einfach anteilsmässig auf die geleisteten Arbeitsstunden umgerechnet. So ist Fairness für alle garantiert.

Wo kann ich herausfinden, ob für mich ein GAV gilt?

Der direkteste Weg ist, bei deinem Arbeitgeber oder einer Gewerkschaft nachzufragen. Zusätzlich führt das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) eine öffentliche und immer aktuelle Liste aller allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträge der Schweiz. Ein kurzer Blick dorthin verschafft oft schon Gewissheit.

Falls du über den GAV hinaus Fragen zu allgemeinen Geschäfts- oder Softwareprozessen im Kontext von Compliance hast, findest du vielleicht nützliche Antworten in den FAQs von nova360.


Bist du bereit, deine Personalplanung GAV-konform und trotzdem mühelos zu gestalten? job.rocks automatisiert die Einhaltung von Arbeitszeiten, Zuschlägen und Ruhepausen, damit du dich wieder auf dein Kerngeschäft konzentrieren kannst. Entdecke jetzt, wie du mit job.rocks Zeit sparst und rechtlich auf der sicheren Seite bist.


Tags

Arbeitsrecht Schweiz, gesamtarbeitsvertrag, lohnschutz, mindestlohn, was ist gav


Du kan også lide