Du sitzt vielleicht genau vor so einem Fall. Die Servicekraft ist motiviert gestartet, aber nach den ersten Schichten häufen sich Verspätungen. Oder du bist selbst frisch in einem neuen Job und merkst nach wenigen Wochen, dass die Stelle nicht zu dem passt, was dir im Gespräch zugesagt wurde. In Event, Gastro oder Logistik passiert das schneller, als viele zugeben wollen.
Kurz erklärt: Eine Kündigung während der Probezeit ist in Deutschland mit einer Frist von zwei Wochen möglich, ohne dass du Gründe angeben musst. In der Schweiz sind es sieben Tage. Voraussetzung: Die Probezeit ist wirksam im Arbeitsvertrag vereinbart. Auch in der Probezeit gelten jedoch Diskriminierungsverbote, Sonderkündigungsschutz und Formvorschriften. Die Kündigung muss immer schriftlich erfolgen.
Gerade in Betrieben mit flexiblen Teams ist kündigung während der probezeit nichts Aussergewöhnliches. Schichten ändern sich kurzfristig, Kunden erwarten Verlässlichkeit, und ein Fehlgriff fällt sofort auf. Das macht die Lage unangenehm, aber nicht automatisch dramatisch. Entscheidend ist, dass du sauber arbeitest. Juristisch, menschlich und organisatorisch.
Probezeitkündigung ist Alltag und kein Weltuntergang
Nehmen wir einen typischen Gastro-Fall. Du stellst kurz vor der Saison eine neue Restaurantleitung ein. Im Gespräch passt alles. Nach zwei Wochen zeigt sich, dass Dienstpläne liegenbleiben, Beschwerden nicht beantwortet werden und das Team keine klare Ansprechperson hat. Dann musst du eine Entscheidung treffen, bevor aus einem schlechten Start ein teures Dauerproblem wird.
Auf der anderen Seite gibt es die Mitarbeiterin in einer Eventagentur, die nach den ersten Einsätzen merkt, dass das versprochene Aufgabengebiet in Wahrheit fast nur Disposition und Nachtelefonieren ist. Sie will raus, bevor sie sich monatelang durch einen Job quält, der nicht zu ihr passt. Auch das ist legitim.

Dass so etwas oft vorkommt, ist belegt. In Deutschland enden 20 bis 25 Prozent aller Arbeitsverhältnisse während der Probezeit. Eine XING-Studie zeigt zudem, dass jeder Zweite bereits in der Probezeit oder im ersten Beschäftigungsjahr gekündigt hat. Häufig genannte Gründe sind zu niedriges Gehalt (43 Prozent) und schlechte Führung (43 Prozent), wie Talenthafen zur Kündigung in der Probezeit zusammenfasst.
Was das für deinen Alltag heisst
Eine Probezeit ist kein Makel. Sie ist ein Prüfraum. Du testest nicht nur Fachkenntnis, sondern auch Pünktlichkeit, Umgang mit Gästen, Reaktion auf Stress und Teamverhalten.
In flexiblen Branchen ist das noch direkter sichtbar:
- Im Eventbereich merkst du schon beim ersten Aufbau, ob jemand Anweisungen sauber aufnimmt.
- In der Gastronomie siehst du oft nach wenigen Diensten, ob jemand mit Tempo, Gästen und Teamdruck klarkommt.
- In der Logistik fällt sofort auf, ob Verfügbarkeit und Einsatzrealität zusammenpassen.
Nicht jede Probezeitkündigung ist ein Scheitern. Oft ist sie die früheste saubere Korrektur.
Wenn du das so betrachtest, nimmst du Druck raus. Dann geht es nicht mehr um Schuld, sondern um Passung und saubere Abläufe.
Die rechtlichen Grundlagen der Probezeit in Deutschland
In der Praxis beginnt der Ärger oft an einer simplen Stelle. Der Einsatz läuft seit drei Wochen, die Teamleitung ist unzufrieden, aber im Vertrag steht zur Probezeit nichts Sauberes. Dann fehlt genau die Grundlage, auf die sich viele im Alltag verlassen.
Rechtlich ist die Probezeit eine konkret im Arbeitsvertrag definierte Anfangsphase mit verkürzter Kündigungsfrist. Sie unterscheidet sich vom bloßen Kennenlernen in den ersten Monaten. Für Arbeitgeber in Event, Gastro oder Logistik ist das besonders relevant, weil dort häufig kurzfristig eingestellt, schichtbasiert geplant und mit wechselnden Einsatzorten gearbeitet wird.
In Deutschland darf die Probezeit bis zu sechs Monate dauern (§ 622 Abs. 3 BGB). Ist sie wirksam vereinbart, kann das Arbeitsverhältnis in dieser Zeit grundsätzlich ohne Angabe von Gründen mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden. Die arbeitsrechtlichen Grundlinien dazu sind im Überblick bei Talenthafen beschrieben, der Link wurde bereits an anderer Stelle im Artikel genannt.
Wozu die Probezeit rechtlich und praktisch dient
Die Probezeit soll eine schnelle und saubere Trennungsmöglichkeit schaffen, wenn Rolle und Realität nicht zusammenpassen. Das betrifft fachliche Leistung, aber genauso Schichtfähigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheitsverhalten und den Umgang mit Kunden oder Gästen.
Gerade in flexiblen Mitarbeiterpools sehe ich oft denselben Fehler. Betriebe prüfen nur, ob jemand grundsätzlich arbeiten will, aber nicht, ob die Person das konkrete Einsatzmodell tragen kann. Ein Promoter, der nur jedes zweite Wochenende verfügbar ist, kann für eine Agentur fachlich gut sein und trotzdem operativ ausfallen. Ein Runner im Bankettservice kann freundlich und motiviert sein, aber unter Last permanent die Abläufe bremsen. Die Probezeit ist genau für diese Passungsprüfung da.
Das setzt allerdings voraus, dass der Vertrag sauber gebaut ist. Wer mit digitalen Arbeitsverträgen für schnelle Einstellungen arbeitet, sollte die Probezeitklausel, Einsatzorte und Funktionen präzise formulieren. Sonst diskutierst du später über Erwartungen, die nie schriftlich festgelegt waren.
Was die Probezeit nicht aushebelt
Viele Führungskräfte verwechseln die verkürzte Kündigungsmöglichkeit mit einem rechtsfreien Raum. Das ist ein teurer Irrtum.
Auch in der Probezeit gelten Formvorgaben, Diskriminierungsverbote und besondere Schutzrechte. Eine Kündigung kann also trotz Probezeit angreifbar sein, wenn sie etwa wegen Schwangerschaft, in einem heiklen Zusammenhang mit Krankheit oder unter Missachtung betrieblicher Mitbestimmung ausgesprochen wird. Die Details dazu folgen in den nächsten Abschnitten. Für die rechtliche Einordnung hier reicht ein Punkt: Die Hürde ist niedriger, verschwunden ist sie nicht.
Typische Fehlannahmen in Agenturen, Gastro und Logistik
Ich würde drei Punkte immer prüfen:
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Ist die Probezeit überhaupt wirksam vereinbart?
Ohne klare vertragliche Regelung gibt es keine automatische Probezeit im arbeitsrechtlichen Sinn. -
Bewertest du die Person oder dein Setup?
Wenn neue Kräfte ohne Einarbeitung in ein chaotisches Event, einen unterbesetzten Service oder eine unklare Tourenplanung geschickt werden, testest du vor allem Improvisation unter schlechten Bedingungen. -
Passt die Rolle zur Einsatzrealität?
In flexiblen Pools scheitert es oft an Verfügbarkeit, Mobilität oder Schichttauglichkeit. Das ist arbeitsrechtlich kein Makel der Person, aber ein legitimer Trennungsgrund in der Probezeit, solange du sauber vorgehst.
Für Unternehmen im DACH-Raum kommt noch ein Compliance-Punkt hinzu. Wer parallel in Deutschland und der Schweiz Personal einsetzt, darf Vertragsmuster und Kündigungspraxis nicht einfach kopieren. Schon die Grundlogik rund um Fristen, Zustellung und Schutzmechanismen weicht ab. Genau deshalb sollte jede Probezeitkündigung zuerst auf das Land und dann auf den Einzelfall geprüft werden.
Praxisregel: Vor jeder Kündigung in der Probezeit kurz vier Fragen abhaken. Ist die Probezeit vereinbart? Ist die Leistung oder Verfügbarkeit sauber dokumentiert? Liegt ein Schutzfall vor? Passt das Vorgehen zum Land, in dem der Vertrag läuft?
Kündigungsfristen und Formvorschriften im Detail
Hier passieren die teuersten Fehler. Nicht bei der Entscheidung selbst, sondern bei der Ausführung. Eine berechtigte Trennung kann unwirksam sein, wenn die Form nicht stimmt oder die Zustellung nicht nachweisbar ist.
In Deutschland gilt während der Probezeit die zweiwöchige Kündigungsfrist. Diese Frist läuft nicht ab dem Datum auf dem Schreiben, sondern ab dem Zugang der Kündigung beim Empfänger. Genau deshalb reicht es nicht, das Schreiben einfach “noch schnell rauszuschicken”.
So rechnest du die Frist sauber
Wenn du am Mittwoch persönlich kündigst und das Schreiben noch am selben Tag übergibst, beginnt die Frist mit dem Zugang. Du musst also nicht auf Monatsende oder den Fünfzehnten warten. Das ist einer der grossen Unterschiede zur üblichen Wahrnehmung von Kündigungen.
Ein Praxisfall aus der Gastronomie: Der Inhaber übergibt am Montag nach der Frühschicht die Kündigung an einen Koch in der Probezeit. Wenn die Übergabe an diesem Montag wirksam erfolgt, läuft die zweiwöchige Frist von dort an. Du brauchst keinen “offiziellen Stichtag”.

Wenn du Arbeitsverträge und Dokumente sauber aufsetzen willst, hilft ein Blick auf digitale Arbeitsverträge für schnelleres Einstellen. Gerade bei vielen kurzfristigen Einstellungen spart eine klare Vertragsgrundlage später Ärger.
Schriftform ist Pflicht
Eine Kündigung in der Probezeit muss schriftlich erfolgen. Eine mündliche Ansage im Lager, eine WhatsApp vom Schichtleiter oder eine E-Mail aus dem Büro reicht nicht.
Praktisch heisst das:
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Papier mit Unterschrift
Das Schreiben muss als formwirksame Kündigung vorliegen. Ein schnell getippter Chat ersetzt das nicht. -
Klare Angaben im Text
Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Beendigungszeitpunkt müssen erkennbar sein. -
Keine improvisierten Nebenabreden
Sätze wie “Du brauchst ab morgen nicht mehr kommen, wir regeln den Rest später” schaffen Streit, nicht Klarheit.
Wenn du kündigst, schreibe so, dass ein Dritter den Brief lesen und sofort verstehen kann, wer wem wann kündigt.
Die Zustellung ist der heikle Punkt
Der beste Brief bringt dir nichts, wenn du den Zugang nicht beweisen kannst. Das ist in Filialbetrieben, bei Aushilfen und in mobilen Teams besonders heikel.
Eine saubere Reihenfolge sieht so aus:
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Kündigungsschreiben vorbereiten
Nicht zwischen Tür und Angel. Namen, Datum, Unterschrift, Ende des Arbeitsverhältnisses prüfen. -
Persönliche Übergabe bevorzugen
Ideal ist die Übergabe im Gespräch, mit Empfangsbestätigung oder mindestens einem Zeugen. -
Alternativ Zustellung absichern
Wenn persönliche Übergabe nicht geht, musst du einen Weg wählen, bei dem der Zugang später nachvollziehbar ist.
| Situation | Was funktioniert | Was Probleme macht |
|---|---|---|
| Mitarbeiter arbeitet heute im Haus | Persönliche Übergabe mit Bestätigung | Nur mündliche Ansage |
| Mitarbeiter ist nicht im Dienst | Nachweisbare Zustellung planen | “Wir legen es ins Fach” |
| Mitarbeiter ist oft unterwegs | Zustellzeitpunkt genau festhalten | Versand ohne Dokumentation |
Was in der Praxis gut funktioniert
In Agenturen mit vielen kurzfristigen Einsätzen hat sich ein fester Ablauf bewährt. Erst das interne Gespräch mit HR oder Geschäftsführung. Dann das Kündigungsgespräch. Danach sofort schriftliche Übergabe und kurze Dokumentation im Personalakt.
Schlecht funktioniert das Gegenteil. Der Disponent kündigt “schon mal informell” am Telefon, HR schickt das Schreiben später, und niemand weiss mehr genau, wann was gesagt oder übergeben wurde. Wenn es dann Streit gibt, ist der Fall unnötig offen.
Wenn die Kündigung nicht so einfach ist Sonderkündigungsschutz
Der Satz “In der Probezeit kann ich immer ohne Grund kündigen” ist gefährlich. Er stimmt nur in grober Vereinfachung. In der Realität gibt es Gruppen mit Schutzrechten und Fälle, in denen Gerichte genauer hinschauen.

Wenn du in einem Betrieb mit vielen kurzfristigen Einstellungen arbeitest, passiert genau hier oft der Fehler. Man sieht die Probezeit als Freifahrtschein und prüft Schutzrechte erst gar nicht. Das kann teuer werden und beschädigt intern viel Vertrauen.
Wer nicht einfach “wie alle anderen” gekündigt werden darf
Besondere Vorsicht brauchst du bei Personengruppen mit Sonderkündigungsschutz. Dazu zählen etwa Schwangere oder schwerbehinderte Menschen. Auch betriebliche Mitbestimmungsthemen spielen hinein.
Aus der Praxis heisst das: Wenn eine Teamleiterin im Catering kurz vor einer geplanten Probezeitkündigung mitteilt, dass sie schwanger ist, darfst du nicht einfach den vorbereiteten Standardbrief aus der Schublade ziehen. Dann musst du den Fall neu prüfen.
Auch in grösseren Betrieben mit Betriebsrat gilt: Der Betriebsrat ist nicht bloss Deko. Wenn eine Anhörung erforderlich ist, muss sie sauber ablaufen. Wer diesen Schritt übergeht, produziert unnötige Angriffsfläche.
Treuwidrigkeit und widersprüchliches Verhalten
Noch häufiger unterschätzt wird ein anderer Punkt. Eine Probezeitkündigung kann auch dann scheitern, wenn sie willkürlich oder widersprüchlich wirkt. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat klargestellt, dass eine Kündigung unwirksam sein kann, wenn Arbeitgeber zuerst Sicherheit vermitteln und dann ohne nachvollziehbare Linie kündigen. Die Einordnung findest du bei Mayr Arbeitsrecht zur treuwidrigen Probezeitkündigung.
Das ist im Alltag schneller relevant, als viele denken. Beispiel aus einer Agentur: Die Bereichsleitung sagt einem Disponenten am Freitag, “du bist fix bei uns, mach dir keinen Kopf”. Am Montag folgt die Kündigung, ohne neue Vorfälle oder erkennbare Wendung. Genau so entstehen Fälle, die vor Gericht nicht mehr nach sauberer Erprobung, sondern nach Widerspruch aussehen.
Warnsignal: Wenn deine Führungskräfte Zusagen machen, die HR später mit einer Probezeitkündigung kassiert, hast du kein Rechtsproblem allein. Du hast ein Führungsproblem.
Was du vor der Kündigung intern prüfen solltest
Eine kurze interne Vorprüfung reicht oft, um grobe Fehler zu vermeiden:
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Gibt es Schutzrechte
Schwangerschaft, Schwerbehinderung oder weitere Schutzpositionen dürfen nicht nebenbei übersehen werden. -
Gab es vorher Zusagen
Hat jemand aus Führung oder Disposition dem Mitarbeiter eine sichere Zukunft signalisiert? -
Ist der Fall dokumentiert
Nicht mit endlosen Protokollen. Aber mit nachvollziehbaren Notizen zu Leistung, Verhalten, Verfügbarkeit oder Teamkonflikten.
Nach einem ersten Prüfblock kannst du auch dieses Video als Einstieg für dein Team nutzen:
Was funktioniert und was nicht
Gut funktioniert eine nüchterne Dokumentation. Nicht als Strafakte, sondern als Arbeitsgrundlage. Wenn ein Mitarbeiter in der Logistik dreimal unentschuldigt zu spät kommt, schreibst du Datum, Schicht und Folge für den Ablauf auf. Wenn eine Hostess wiederholt entgegen dem Briefing auftritt, hältst du das sachlich fest.
Nicht gut funktioniert dieses Muster: “Passt irgendwie nicht.” Das mag als Bauchgefühl stimmen. Vor Gericht, im Gespräch mit dem Betriebsrat oder gegenüber der eigenen Geschäftsführung ist es zu wenig.
Unterschiede in der Schweiz und Österreich DACH-Kontext
Freitagabend, ein Event fällt kleiner aus als geplant, zwei Servicekräfte werden nächste Woche nicht mehr gebraucht. Wer jetzt für Zürich einfach dieselbe Vorlage nutzt wie für Köln, produziert schnell einen vermeidbaren Fehler. Genau das passiert in Agenturen, Gastrobetrieben und Logistikteams mit flexiblem Mitarbeiterpool regelmässig.
Deutschland und Schweiz im direkten Vergleich
In der Schweiz ist die Probezeit anders getaktet als in Deutschland. Art. 335b OR sieht während der Probezeit in der Regel eine Kündigungsfrist von sieben Tagen vor. In Deutschland sind es dagegen zwei Wochen. Für Betriebe mit kurzfristiger Einsatzplanung ist das mehr als ein Detail. Es entscheidet darüber, wie schnell du Schichten umbaust, Fahrzeuge neu besetzt oder ein Team für ein Messewochenende nachplanst.
Die praktische Folge ist im Alltag deutlich. Ein Restaurant in Zürich oder ein Personaldienstleister in Basel kann sich oft schneller von einer Fehlbesetzung trennen als ein Betrieb in München. Das hilft bei schwankender Auftragslage. Es erhöht aber auch das Risiko, dass Disposition und Standortleitung vorschnell handeln und die formale Prüfung abkürzen.
| Thema | Deutschland | Schweiz |
|---|---|---|
| Kündigungsfrist in der Probezeit | Zwei Wochen | Sieben Tage |
| Wirkung im Alltag | Mehr Zeit für Übergabe und Neuplanung | Schnellere Reaktion auf Ausfälle und Fehlbesetzungen |
| Typisches Risiko | Probezeit läuft ab, bevor entschieden wird | Kündigung wird zu hastig vorbereitet |
Wer im Schweizer Gastgewerbe arbeitet, sollte die Kündigungsfristen nach L-GAV im Überblick sauber prüfen. Das gilt besonders bei Saisonkräften, Aushilfen und wechselnden Einsatzmodellen.
Schweizer Besonderheiten, die im Betrieb oft übersehen werden
In der Schweiz ist die Probezeit kein rechtsfreier Bereich. Gerade bei Krankheit, Unfall oder kurzen Ausfällen wird in der Praxis oft ungenau gearbeitet. Für HR und Disposition zählt deshalb nicht nur die Frage, ob noch Probezeit läuft, sondern auch, an welchem Kalendertag die Kündigung zugeht und welcher Schutz bereits greift.
In flexiblen Betrieben ist das heikel. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Catering-Unternehmen stellt für eine Veranstaltungsreihe in Basel mehrere Mitarbeitende ein. Einer fällt kurz nach Start krank aus. Wenn die Einsatzleitung dann nur auf den Personaldruck schaut und die juristische Prüfung weglässt, wird aus einer einfachen Trennung schnell ein unnötiger Streitfall.
Und Österreich
Österreich wird in DACH-Artikeln oft zu knapp behandelt. Für die Praxis ist das ein Fehler. Wer Standorte in Wien mit denselben Standardtexten führt wie Teams in Deutschland oder der Schweiz, riskiert formale und inhaltliche Fehler bei Fristen, Begriffen und Vertragslogik.
In Österreich gilt eine Probezeit von einem Monat. Während dieser Zeit kann das Arbeitsverhältnis jederzeit ohne Angabe von Gründen und ohne Einhaltung einer Frist aufgelöst werden. Das ist kürzer und flexibler als in Deutschland. Die Rechtsgrundlage findet sich in den jeweiligen Kollektivverträgen und im Angestelltengesetz.
Für Betriebe mit Gastro- oder Event-Standorten in Österreich heisst das konkret: Du kannst schneller reagieren, musst aber auch schneller entscheiden. Innerhalb dieses Monats läuft die Probezeit oft ab, bevor eine fundierte Einschätzung überhaupt möglich ist.
| Thema | Deutschland | Schweiz | Österreich |
|---|---|---|---|
| Max. Probezeit | 6 Monate | 3 Monate (Art. 335b OR) | 1 Monat |
| Kündigungsfrist i.d. Probezeit | 2 Wochen | 7 Tage | Jederzeit (keine Frist) |
| Begründung nötig? | Nein | Nein | Nein |
| Schriftform zwingend? | Ja | Ja | Ja |
Meine Empfehlung aus HR-Sicht ist klar: Für Österreich immer den konkreten Vertrag, den anwendbaren Kollektivvertrag und die lokale Rechtslage prüfen, bevor ein Schreiben rausgeht. Gerade in Gastro, Event und Logistik hängen Kündigungsfragen dort oft stärker am jeweiligen Beschäftigungsmodell als Personalverantwortliche aus Deutschland erwarten. Im DACH-Raum scheitern Probezeitkündigungen oft nicht an der Entscheidung selbst, sondern an falsch übernommenen Standards aus dem Nachbarland.
Praktische Checklisten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Im Alltag brauchst du keine langen Abhandlungen. Du brauchst eine Reihenfolge, die auch dann trägt, wenn im Betrieb gerade Hochbetrieb herrscht. Genau dafür sind Checklisten da.

Wenn bei dir Probleme in der Probezeit gehäuft auftauchen, prüf auch deinen Startprozess. Viele Konflikte beginnen nicht bei der Kündigung, sondern schon im ersten Einsatz. Ein sauberer Einstieg ist bei Onboarding neuer Mitarbeiter gut aufbereitet.
Checkliste für Arbeitgeber
Wenn du kündigst, arbeite nicht aus dem Bauch heraus. Geh diese Punkte durch:
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Passung sauber prüfen
Trenne zwischen echtem Missmatch und schlechtem Start. War die Rolle klar? Gab es Einarbeitung? Hatte der Mitarbeiter eine faire Chance? -
Schutzrechte vorab abklären
Gerade bei hektischen Einsätzen wird das oft vergessen. Vor dem Gespräch musst du wissen, ob Sonderregeln zu beachten sind. -
Gespräch vorbereiten
Nicht improvisieren. Lege fest, wer spricht, wer dabei ist und wie du auf Rückfragen reagierst. -
Schreiben vor dem Termin fertig haben
Nichts ist peinlicher als ein Kündigungsgespräch ohne unterschriebenen Brief. -
Zugang dokumentieren
Übergabe bestätigen lassen oder zumindest einen Zeugen dabeihaben. -
Folgeschritte direkt anstossen
Dienstplan anpassen, Zugänge klären, Arbeitsmittel zurückfordern, Zeugnisprozess auslösen.
Ein Beispiel aus einem Sicherheitsdienst: Der Einsatzleiter kündigt mündlich auf der Baustelle, die Personalabteilung erfährt es zwei Tage später, Uniform und Zutrittskarte bleiben aktiv, der Mitarbeiter steht am Wochenende wieder vor Ort. Genau so entstehen Chaos und Haftungsfragen.
Checkliste für Arbeitnehmer
Wenn du eine kündigung während der probezeit bekommst, geh nicht zuerst in die Grundsatzdebatte. Prüfe den Vorgang nüchtern.
-
Schreiben kontrollieren
Ist klar, wer kündigt und wann das Arbeitsverhältnis enden soll? -
Zugang und Datum festhalten
Notiere dir, wann du das Schreiben erhalten hast. Das ist für Fristen und spätere Fragen wichtig. -
Restansprüche klären
Offene Lohnbestandteile, Urlaub, Zeiterfassung, Arbeitszeugnis. In Schichtbetrieben gibt es hier oft Unstimmigkeiten. -
Unterlagen sichern
Dienstpläne, Nachrichten zu Einsätzen, Stundenaufzeichnungen und relevante Kommunikation solltest du geordnet ablegen. -
Bei Zweifeln früh Rat holen
Wenn dir die Kündigung widersprüchlich, diskriminierend oder formal fehlerhaft vorkommt, warte nicht zu lange.
Was in stressigen Betrieben wirklich hilft
In Event und Gastro klappt ein fester Trennungsprozess am besten. Eine Person verantwortet das Gespräch, eine zweite prüft die Unterlagen, und danach wird der Einsatzplan sofort bereinigt. So vermeidest du, dass gekündigte Personen versehentlich weiter eingeladen oder eingeteilt werden.
Wer Probezeitkündigungen sauber abwickelt, schützt nicht nur die eigene Rechtsposition. Er schützt auch den Rest des Teams vor Gerüchten, Doppelarbeit und unnötiger Unsicherheit.
Häufige Fragen zur Kündigung in der Probezeit
Kannst du in der Probezeit krank gekündigt werden
Ja, das kann passieren. Entscheidend ist aber, in welchem Land das Arbeitsverhältnis läuft und ob neben der Probezeit noch ein besonderer Schutz greift.
In Deutschland ist eine Kündigung während Krankheit in der Probezeit grundsätzlich möglich. Problematisch wird es, wenn die Kündigung gegen Treu und Glauben verstößt, diskriminierend wirkt oder formale Fehler hat. In der Praxis sehe ich genau hier die meisten Fehlannahmen in Agenturen, Gastroketten und Logistikbetrieben mit springenden Einsatzteams. Eine Schicht fällt krankheitsbedingt aus, der Vorgesetzte reagiert genervt, und zwei Tage später liegt die Kündigung auf dem Tisch. Dann muss sauber geprüft werden, ob wirklich die Eignung das Thema war oder ob unzulässige Motive mitschwingen.
In der Schweiz gelten bei Krankheit eigene Sperrfristen. Gerade in den ersten Arbeitstagen wird oft vorschnell gekündigt, obwohl Personaldisposition und Einsatzdruck die eigentliche Ursache sind. Für Unternehmen mit flexiblem Mitarbeiterpool heißt das: Ohne Prüfung von Zeitpunkt, Vertragsbeginn und anwendbarem Landesrecht sollte keine Probezeitkündigung wegen oder während einer Krankheit rausgehen.
Muss der Betriebsrat bei einer Probezeitkündigung beteiligt werden
Ja, wenn ein Betriebsrat besteht. Die Anhörung nach deutschem Recht ist kein Formalismus.
In Filialsystemen, Catering-Gruppen oder Lagerstandorten mit dezentraler Einsatzplanung passiert der Fehler oft im Alltag: Der operative Leiter will schnell reagieren, HR schickt das Schreiben, aber die Betriebsratsanhörung ist unvollständig oder fehlt ganz. Dann ist die Kündigung angreifbar. Gerade bei kurzen Probezeitfristen kostet so ein Fehler Zeit, Geld und Glaubwürdigkeit im Team.
Was passiert mit Resturlaub und offenen Stunden
Offene Ansprüche bleiben bestehen. Das gilt auch dann, wenn das Arbeitsverhältnis schon nach wenigen Wochen endet.
Besonders in Event, Gastro und Logistik sollte niemand mit pauschalen Annahmen arbeiten. Entscheidend sind die tatsächlich geleisteten Stunden, dokumentierte Einsätze, Zuschläge, Vorschussregelungen und bereits genommene freie Tage. Wenn Zeiterfassung und Dienstplan auseinanderlaufen, gibt es fast immer Streit über die Schlussabrechnung. Deshalb sollten Arbeitgeber die letzte Abrechnung mit Dienstplan, Stundennachweisen und Urlaubsstand gegenprüfen. Arbeitnehmer sollten dieselben Unterlagen sichern, bevor Accounts oder Apps gesperrt werden.
Darfst du selbst in der Probezeit kündigen
Ja. Arbeitnehmer können ebenfalls mit der verkürzten Frist kündigen, wenn der Job nicht passt.
Das ist im flexiblen Geschäft völlig normal. Ein Barkeeper merkt nach drei Wochen, dass die Schichten deutlich später enden als besprochen. Eine Lageraushilfe stellt fest, dass zugesagte Stunden nicht kommen. Ein Promoter springt ab, weil Einsatzorte kurzfristig wechseln. Solche Fälle sind kein Ausnahmeproblem, sondern Teil des Geschäfts. Wer selbst kündigt, sollte das schriftlich, fristgerecht und mit sauber dokumentiertem Zugang tun. In der Schweiz und in Deutschland lohnt sich dabei immer ein Blick in den Vertrag, weil die konkrete Probezeitregelung und die Frist im Detail abweichen können.
Quellen und Rahmenbedingungen geprüft: Mai 2026. Rechtliche Hinweise beziehen sich auf die allgemeine Rechtslage in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Für verbindliche Auskünfte wende dich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.
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Wenn du in Event, Gastro, Logistik oder Personaldienstleistung mit vielen wechselnden Mitarbeitenden arbeitest, lohnt sich ein Blick auf job.rocks. Die Plattform hilft dir, Verträge, Einsatzplanung, Zeiterfassung und Personalprozesse sauber zu steuern, damit Probleme in der Probezeit früher sichtbar werden und Trennungen nicht im Chaos enden.
